"Mitmachweb"

Web 2.0Wir sprechen heutzutage von Web 2.0, dem „Mitmachweb“, der Relevanz von crowdsourcing und in diesem Sinne auch von vielen Sendern und vielen Empfängern. In dieser neuen „virtuellen Welt“ sind die Nutzer sowohl Produzenten, als auch Konsumenten. In der Folge entstehen Online-Communities, kleine oder größere Gruppierungen von Menschen mit ähnlichen Neigungen und Ambitionen. Online-Communities entwickeln sich vor allem dann erfolgreich, wenn sie aus sich selbst heraus, aus den eigenen Bedürfnissen, also „Bottom-Up“ zu wachsen verstehen. Die Community tauscht also auf Portalen Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen aus und generiert somit „Content“ – Inhalte.

Bei ungefähr 80% dieses so genannten user-generated content handelt es sich um Geoinformation, wobei zwischen 2 Ausprägungen zu unterscheiden ist.

 

 

 

 

 

Nutzergenerierte Geoinformation

Travel 2.0Um die sogenannte "Geocodierung" durchzuführen, also indirekte Raumbezüge in direkte umzuwandeln, braucht es z.B. Webkartendienste wie Microsoft Bing Maps oder Google Earth. Meist werden zur Produktion dieser Geodaten kostenlos nutzbare Dienste verwendet. Diese über Koordinaten referenzierten Inhalte sind also eine spezielle Form von user-generated Content und werden als nutzergenerierte Geoinformation bezeichnet. Der Unterschied zur klassischen Produktion von Geoinformation ist, dass im Falle der klassischen Produktion amtliche Stellen über lange Jahre hinweg viel Expertise und Arbeitskraft in die Erstellung von Geoinformationsprodukten stecken. Die „freiwillige“ Generierung von Inhalten wiederum, erfolgt meist unter Verfolgung eigener Bedürfnisse und dies hauptsächlich an Laien gerichtet. Die Güte der Informationen ist hierbei oftmals nicht bekannt.

Beispiele für nutzergenerierte Geoinformation sind Wikimapia, Tele Atlas Map Insight, OpenStreetMap, Google Map Maker und OpenStreetMap. Allerdings ist der Unterschied zwischen OpenStreetMap, welches hier näher vorgestellt werden soll, und allen anderen Geoinformationssystemen, dass diese über keine Community im oben beschriebenen Sinne verfügen.

Ein weiterer Punkt ist das Thema „freie“ Software, welches selbst in Online-Communities immer wieder für Diskussionen sorgt. Unterschieden werden muss hierbei zwischen freier und kostenloser Software und diversen Zwischenstufen. Oftmals ist die Nutzung der Geodaten, wie im Falle von Google, zwar kostenlos, aber keineswegs frei. Das heisst, die Weiterverwendung der Daten kann in vielen Fällen, bei unbedachtem Handeln, schnell zu Lizenzproblemen führen. Eines der erfolgreichsten Projekte, die ihre Software in diesem Sinne als frei erklärt haben ist OpenStreetMap.

 

OpenStreetMap

OSMDas im Jahre 2004 gegründete Projekt basiert auf weltweiten Daten über Straßen, Eisenbahnen, Flüsse, Wälder, Häuser, die von tausenden von Usern auf der ganzen Welt erfasst, gesammelt und digitalisiert werden. Die Standards des OGS (Open Geospatial Consortium) dienen dabei als Grundlage für die OpenStreetMap. So entsteht also Schritt für Schritt eine Weltkarte, zu der jeder lizenzkostenfreien Zugang bekommen kann und die zu allen Zwecken weiterverarbeitet und genutzt werden kann. Im Gegensatz zu den Karten von Google kann hier nicht nur die Karte genutzt werden, sondern auch die rohen Geodaten. Des Weiteren wird bei der Googlekarte nur eine Layoutvariante angeboten, wohingegen die OSM individuell angepasst werden kann. Diese Offenheit ist einer der größten Erfolgsfaktoren der OpenStreetMap und hat aufgrund dessen eine Reihe von enstandenen Anwendungen zur Folge. Dazu gehört unter anderem die Georeferenzierung von Wikipedia-Artikeln oder die Auswertung der OSM-Daten für Projekte wie Cyclemap oder OpenRouteService.

Warum solch ein Projekt „freier Geodaten“?

--> Die Loslösung aus der Abhängigkeit von proprietären Daten ist einer der Hauptgründe für die Entstehung des Projekts.

Vergleicht man OSM mit einem der führenden Anbieter im Bereich proprietärer Geodaten NAVTEQ, stellt man interessante Ergebnisse fest. In Bezug auf die Vollständigkeit von OSM lässt sich sagen, dass diese höher in besiedelten Gebieten (79,1%) als in unbesiedelten (64,2%), wobei der NAVTEQ-Datenbestand als Referenz herangezogen wurde. Dies lässt darauf schließen, dass das Interesse der Mapper bislang eher noch den städtischen Gebieten galt. Allerdings erschöpft sich die Qualität der Daten nicht in der Vollständigkeit. Aktualität, Korrektheit und Konsistenz, der Geometrie einerseits und der thematischen Attribute auf der anderen Seite, sind ebenfalls unerlässliche Kriterien. Manche Städte in OSM verfügen über eine hohe geometrische Vollständigkeit, jedoch über eher ungenaue thematische Attribute, und umgekehrt. Jedoch hat OSM laut der FOSSGISS 2010 dabei „nach einhelliger Meinung der Konferenz-Teilnehmer und GIS-Spezialisten Google Maps und alle anderen Konkurrenten weit hinter sich gelassen.“