Der Tourismus beinhaltet verschiedene Branchen, und man kann allgemein in der touristischen Wertschöpfungskette sehr grob folgende Wertschöpfungsstufen und zugrundeliegende Geschäftsmodelle unterscheiden:

1. Leistungsanbieter sind die originären Leistungsträger, die Transport-, Transfer-, Beherbergungs-, Gastronomieleistungen, Events, Attraktionen, Führungen, Wellness-Anwendungen etc. produzieren bzw. bereitstellen und die Veranstalter, welche die
Leistungen zu Pauschalreisen bündeln, und das Gesamtangebot gegenüber dem Endkunden verantworten bzw. sichern. Lei­stungsanbieter vertreiben ihre Lei­stungen direkt oder über Reisemittler an die Endkunden.

2. Marketing Systeme erläutert Informationssysteme, die typische Informationsmanagementprobleme aller Akteure der touristischen Wertschöpfung betreffen und daher keiner einzelnen Perspektive zugeordnet werden können. So werden im Yield Management computergestützte Systeme zur Optimierung der Umsätze bzw. Gewinne durch geeignete Segmentierung der Nachfrage und Preisdiskriminierung (engl. Discriminatory Pricing) am Beispiel von Airlines, Hotels und Reiseveranstaltern analysiert. Die Beiträge über das Vertriebskanalmanagement bzw. die elektronischen Zahlungssysteme systematisieren die immer zahlreicher werdenden touristischen Vertriebskanäle und Zahlungssysteme primär aus Anbietersicht. Der Beitrag zum computergestützten Kundenbeziehungsmanagement stellt die für alle Akteure immer wichtigeren Prozesse und Systeme des Customer Relationship Management (CRM) vor. Zum Schluss wird die E-Learning-Weiterbildung im Marketing & Vertrieb verschiedener Tourismussektoren erläutert.

2. Reisemittler vermitteln dem Kunden in dessen Auftrag gegen eine Gebühr (Service Fees, Buchungsgebühren etc.) Leistungen der Leistungsanbieter, oder sie vermitteln umgekehrt den Leistungsanbietern gegen Provi­sion als Handelsvertreter Kunden. Als Händler können sie z. B. Flugtickets zu Nettopreisen von einem sogenannten Con­solidator (Großhändler) beziehen und verkaufen diese mit einem individuellen Zuschlag an ihre Kunden weiter. Klassische Reisemittler sind die Reisebüros, die auf Urlaubs- oder Geschäftsreisen spezialisiert sein können. Seit der Einführung der Internet-Reiseportale unterscheidet man stationäre Reisebüros (Offline – Ladengeschäft/ Reise­­büro) und Online-Reisebüros (virtueller Reisemittler – Webshop). Beide setzen auch Call-Center ein. Tourismusorganisationen der Destinationen bewerben und vermitteln ebenfalls die Leistungsangebote ihrer jeweiligen Region und können auch zu den Mittlern gezählt werden.

3. Reisende Endkunden sind die Personen, die eine Urlaubs- oder Geschäftsreise unternehmen und die Leistungen der Leistungsanbieter in Anspruch nehmen. Unternehmen, welche die Dienstreisen für ihre Mitarbeiter bezahlen, sind zwar zu den Kunden der Tourismusbranche zu zählen. Ihre Firmenreisestellen sind aber mit dem Geschäftsreisemanagement betraut, organisieren wie ein Veranstalter Events, kaufen in großem Stil Reiseleistungen von Reisemittlern und Leistungsträgern ein und steuern die Nachfrage und das Angebot nach Reiseleistungen in ihrem Unternehmen – z. T. über eigene Reiseportale für ihre Mitarbeiter – wie ein Reisemittler. Wir behandeln sie wegen ihres Tätigkeits­spektrums eher als speziellen unternehmensinternen Reisemittler, der auch als Eigenveranstalter (z. B. Vertriebstagungen, Kundenveranstaltungen etc.) auftritt.

 

Informationsmanagement im Tourismus beschäftigt sich mit dem systematischen Einsatz von Informations- und Kommunikationssystemen in den verschiedenen Anwendungsfeldern des Tourismus.

 

  • Informationsmanagement und IT-Systeme im Tourismus führt in wichtige Begriffe des Informationsmanagements ein. Es werden die touristischen Anwendungsfelder strukturiert und die drei Perspektiven der Akteure, Prozesse und Systeme vorgestellt, aus denen das Informationsmanagement im Tourismus betrachtet wird.
  • Systemarchitekturen touristischer IT-Applikationen dient der Erläuterung und Bewertung der in vielen Beiträgen dieses Buches erwähnten technischen Anwendungs-Architekturen in ihrer historischen Entwicklung. Sie sind nicht tourismus-spezifisch, werden aber an Beispiel-Anwendungen aus dem Tourismus erläutert.
  • Das Vorgehensmodell zur Beschaffung, Auswahl und Migration touristischer Applikationen schlägt für Tourismus-Unternehmen eine generische Vorgehensweisezur Auswahl, Beschaffung und Migration touristischer IT-Applikationen vor. Es geht unter anderem auf die wichtigsten Aspekte der Anwendungsentwicklung und des Anwendungsbetriebs ein.

Damit sind die notwendigen begrifflichen und theoretischen Grundlagen gelegt, um in den nachfolgenden Kapiteln die Beschreibungen der typischen Prozesse, Systemlandschaften und Funktionen zu verstehen, die in den zahlreichen touristischen Anwendungsfeldern auftreten. Den folgenden Kapiteln des Buches ist dann diese Strukur zugrundegelegt. Sie ordnet damit alle betrachteten touristischen IT-Systeme in die touristische Wertschöpfungskette ein und entspricht damit der Perspektive des betriebswirtschaftlich-ökonomischen Informationsmanaments.