Geoinformationen im Marketing

Nicht nur für den Kunden, sondern vor allem auch für die touristischen Unternehmen können Geoinformationen von großem Nutzen sein. In einem Zeitalter indem neue touristische Anbieter vor allem im Internet „wie Unkraut“ aus dem Boden sprießen, wird es immer wichtiger sich von der Menge abzusetzen. Die immer steigende Marktaggresivität und der wachsende Konkurrenzdruck lassen gutes Marketing und attraktive Angebotsgestaltung unerlässlich werden. Ein Großteil dieses Marketings besteht aus unterschiedlichen Werbemaßnahmen.

 

Google Places

Google PlacesÜber Google Maps oder Streetview können Googles sogenannte Places Pages angeklickt werden. Der Kampf um die vordersten Ränge in Googles Mapping Diensten wie Google Maps und Streetview ist also längst eröffnet. Die Places Seiten bestehen aus einer kurzen Beschreibung zum Hause, einem Kartenauszug mit Standort und Kundenbewertungen, die von Partnerseiten bezogen werden. Besonders für Hotels haben diese Places Seiten mittlerweile einen großen kommerziellen Nutzen: Hier werden Kritiken und Rezensionen von Seiten wie booking.com, Hotel.de oder Trivago bezogen, was bei Kunden einen großen mouth-to-mouth Effekt bewirken kann. Detailinfos wie direkte Links zu den Booking-Engines der Hotels oder direkte Mail-Adressen inklusive Preis- und Zahlungsmittelinformationen werden on-top geliefert. Es handelt sich also um eine gratis Werbemöglichkeit. Google Places ist somit ein ideales Marketinginstrument, um den Kunden der sich im Internet bewegt anzusprechen. Im Gegensatz zu den USA steckt Google Places bei uns noch relativ in den Kinderschuhen, gewinnt aber täglich Neuzugänge. Allerdings darf auch das Gefahrenpotential nicht ignoriert werden: der Wertverlusts der exklusiven Informationen der eigenen Webpage.

 

Anschauungsbeispiele Destination

Vorzeigeort Oberstaufen im AllgäuAls Vorzeige-Destination hat sich wohl im Bereich Geoinformations-Marketing der Ort Oberstaufen im Allgäu im November 2010 hervorgetan. Zurückzuführen auf eine PR-Kampagne des Oberstaufener Tourismusamtes, war Oberstaufen mit seinen 7200 Seelen der erste Ort Deutschlands, der Streetview Tür und Toren öffnete. Während das bis dato umstrittenste Projekt Googles in den Medien heiss diskutiert wurde und die Anti-Streetview-Stimmung öffentlich am hochkochen war, wurde Google in Oberstaufen mit Alphorn-Musik willkommen geheissen. Ziel der Kampagne war es die Gästeübernachtungen von bis dato 1,34 Mill. in Oberstaufen langfristig zu erhöhen und den Bekanntheitsgrad zu steigern.

Ein gelungenes Anschauungsbeispiel bietet die offizielle Seite von Schweiz Tourismus . Über eine interaktive Karte ist das gesamte touristische Angebot der Schweiz gebündelt dargestellt. Dies geht von jeglichem Unterkunfts-Typus, unterschiedliche Arten von Erlebnissen, die verschiedenen Reiseziele über Insider-Tipps und Services bis hin zu Multimedia-Optionen wie z.B. Bilder aus Panoramio, Videos und Webcam-Ansichten. Mit dieser Bündelung des Angebots lädt Schweiz Tourismus den Gast ein auf der eigenen Seite zu verweilen und integriert die gesamte Wertschöpfungskette von der Informationssuche, über die Verfügbarkeitsanalyse, bis hin zur Buchung. Hat man sich dann erst einmal für ein Angebot entschieden, bekommt man noch jede Menge zusätzliche Information wie Wetterbedingungen, Schneeberichte, weitere Aktionen vor Ort etc. Schweiz Tourismus hat sich hierbei für Kartenmaterial von Google inklusive Streetview entschieden. Die Bündelung der gesamten Wertschöpfungskette ist marketingtechnisch von großem Vorteil, da der Gast stärker an das Angebot gebunden wird.


Anschauungsbeispiel Location Based Services

Bei LBS handelt es sich um ein Marketinginstrument mit ziemlich großem Potential, wobei der größte Marketingnutzen bei touristischen Betrieben der Hotellerie, bei Tourismusorten- und Regionen und Skigebieten liegt. Eben alle die, die ein Interesse daran haben müssen, dass der Bekanntheitsgrad ihres Ortes gesteigert wird. Leider sieht die Realität in den Betrieben/Destinationen oftmals anders aus. Bis vor einiger Zeit hielten europäische Unternehmen sich noch mit gezielten Aktionen unter Einbeziehung von LBS zurück und ließen den US-Amerikanern den Vortritt. Uneinigkeit herrscht auch noch bei der Frage ob Opt-in-Lösungen (Kunde kann entscheiden, ob er den Dienst zu gesetztem Zeitpunkt haben will) oder Opt-out-Lösungen (Kunde muss sich aktiv gegen den Dienst entscheiden) die bessere Option für den Kunden sind.


Eine spezielle Art, unmittelbar am POI Werbung zu machen ist das unter Menüpunkt "Aus Sicht des Users-Reisedurchführung" vorgestellte Foursquare. Foursquare wirbt seine Nutzer viral, d.h. die Information über das Produkt/Dienstleistung wird wie ein Virus von Mensch zu Mensch verbreitet. Hier bestehen schon Schnittstellen zu Facebook und Twitter, so wird der Kunde selbst zum Werbeträger. Foursquare ist sehr aktiv im sogenannten Coupon-Marketing. Unternehmen können auf ihre Foursquare-Seite Coupons mit Sonderangeboten in der Destination einstellen. Diese können sowohl ein Angebot zur Neukundenwerbung sein oder auch eine Kundenbindung herbei führen. "First-Mover-Aktionen" wie die vom Navigationsgerätehersteller Garmin im Jahr 2010 sorgen für Publicity: wer im virtuellen Garmin-Store am häufigsten eincheckte, bekam ein Navigationsgerät geschenkt.

Aber auch deutsche Unternehmen wie die Lufthansa nutzen Foursquare-Marketing für ihre Zwecke. Momentan ist diese Art von Marketing für touristische Unternehmen und den Einzelhandel noch kostenfrei, aber langfristig kann sich Foursquare-Geschäftsführer Crowley ein Konzept wie Google Adwords für seinen Geodienst vorstellen.